Der Kraichgau, die Toskana Deutschlands


Am 25.5.2017 strahlte der Himmel wolkenlos. Es war Vatertag. Nach sechsstündiger Fahrt sind die 39 Reiseteilnehmer von Haus und Grund Schaumburg Obernkirchen glücklich in Ladenburg am Neckar angekommen. Dort stand die Fabrik des Erfinders der pferdelosen Kutsche, Karl Benz. Heute ist die Fabrik ein Museum. Der Eigentümer Winfried Seidel erklärte das Leben von Karl Benz und die Autos die Benz gebaut hat: Benz Patent Motorwagen, Velo, Victoria.
Vor der Museumstür stand ein 64-sitziger Benzbus. Der freundliche Fahrer Helmut lud zu einer Spritztour ein. Angesagt war die 106 km lange historische Berta Benz Route nach Pforzheim. Diese Route ist bei Autoliebhabern ein Muss. Bereits in Wiesloch ging Helmut jedoch das Benzin aus. Aufgrund des Feiertags waren alle Tankstellen geschlossen. Die Stadtapotheke hatte Notdienst. Dort erhielt der Fahrer das Nötige für teures Geld. Jeder Reiseteilnehmer bekam für alle Fälle noch einen Kanister Benzin mit. Helmut hatte die Berta Benz schnell überholt. Die Berta brauchte seinerzeit für die Strecke einen ganzen Tag, während er diese in zwei Stunden bewältigte.
Im Pforzheimer Schmuckmuseum glänzte viel Gold. Von Babylon bis zum Klassizismus sind Armbänder, Ringe und Ketten zu bewundern. Das Busenzitterle aus dem Barock ist das tollste Exponat der Sammlung.
Das Abendessen im Hotel Krone in Bretten war ein Genuss: Rinderbäckle, Fisch, eingemachtes Kalbfleisch mit Spätzle und Bubenspitzle wurden von Chefkoch Graessel perfekt serviert.
Am nächsten Morgen weckte der Glockenturm die Reiseteilnehmer und bat sie zum Frühstück. Die herrlichen Köstlichkeiten wurden so gut angenommen, dass sich die Reiseteilnehmer nur mit Mühe und Not beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe einfanden. Dort wurde die Gruppe von dem Pressereferenten des Bundesverfassungsgerichtes Herrn Stephan Stadtler geführt. Er erklärte, dass es im Bundesverfassungsgericht nur 16 Richter gibt, was angesichts dessen, das ein normales Landgericht schon über 30 Richter hat, kaum glaubhaft ist. Im anschließenden Stadtbummel konnte sich die Reisegruppe von den schweren juristischen Details erholen.
Dann ging es in die Kraichgaustadt Eppingen. Hier wurde leichtere Kost geboten. Der aus dem Mittelalter anmutende Stadtführer Christoph erklärte die hervorragenden Bauwerke aus Fachwerk. Er spielte auf seltsamen Instrumenten, wie Widder und Ochsenhörnern Traummelodien aus der alten Zeit und zeigte in der alten Universität die berühmte Kobold Bibel. Historisch gestärkt aber durstig fuhr die Reisegruppe dann zur Besenwirtschaft Silber nach Knittlingen. Dort gab es Wurstsalat, Rostbraten Schlachteplatte und eine unglaubliche Menge an Roséwein. Zwei Musikanten mit Quetschkommode spielten Oldies und Schlager. Die Reisegruppe tanzte, sang, lachte und sprang vor Übermut. Dies hatte erst auf den Marktplatz in Bretten ein Ende, als in einer wunderschönen Frühlingsnacht auch die Ausdauerndsten bei einem Glas Spätburgunder den Weg ins Bett fanden.
Am Samstagmorgen wurde das Melanchthonhaus in Bretten besichtigt. Zwischen den Marktständen hindurch ging es in das alte Steinhaus. Die besten Exponate des großen Mitstreiters von Luther sind dort verwahrt. Gerade im Reformationsjahr 2017 ist diese Visite ein Höhepunkt für jeden Protestanten.
Nach dem Mittag stand die Reisegruppe in den alten Gemäuern des Zisterzienserklosters Maulbronn. Das kühle Gemäuer tat gut. Maulbronn gehört zum Weltkulturerbe. Nach dem 30-jährigen Krieg ging es in Staatsbesitz über und wurde eine berühmte Seminarschule für gescheite Schwabenköpfe, wie Hölderlin, Kepler und Hesse.
Am Abend ging es zu dem Weingut Kernlestee in Oberderdingen. Dort gab es zu einer Weinprobe deftiges Essen. Der Sprach-und Heimatforscher Jürgen Kobold trat auf. Mit seinen urwüchsigen Anekdoten brachte er die Reisegruppe zum Lachen. Den Abend verbrachte die Gruppe gemeinsam auf dem Marktplatz in Bretten. Dort ging der heimische Wein rund um und versüßte den schönen warmen Abend.
Am Sonntagmorgen führte ein wunderschönes Neckar-Panorama nach Heidelberg. Zwei Reiseführerinnen bemühten sich die Reisegruppe zwischen Japanern, Amerikanern und anderen Völkern sicher durch die Altstadt zu bringen. Die Stationen Karlsplatz, Heilig Geist Kirche, Weinloch, Schnitzel Bank, Widders Weinstube, Karzer und Universitätsplatz wurden trotz der großen Hitze bewältigt. Ein guter Samariter brachte einen Erschöpften aus der Reisegruppe sicher zum Bus zurück. Ein letzter Blick aufs Schloss und dann waren die Schaumburger gegen 19:00 Uhr glücklich und voll neuer Erlebnisse in Obernkirchen zurück.

Friedbert Wittum
28.5.2017




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